Nutzt Du das falsche Navi? Open Data Karten erklärt!

Open Data Karten - Steffen Lippke Hacking Series

Geht Navigation auch privat und ohne Weiterverkauf Deiner Daten?

Ja, ich erkläre Dir den Kartenmarkt und wie Du am besten eine App aussuchst.

Starten wir!

Was sind Open Data Karten?

Open Data Karten basieren auf Projekten wie OpenStreetMap. Dieses freie Projekt sammelt Geodaten und stellt diese in Karten der Allgemeinheit kostenlos zur Verfügung.

Kommerzielle Unternehmen dürfen sich auch die Karten in die Produkte integrieren und nutzen. Kommt es jetzt zu einer Änderung sind die Unternehmen verpflichtet, die Änderung dem Projekt (also der Allgemeinheit) wieder zugänglich zu machen.

OSM ist genial

Datengrundlage

Die Daten basieren auf Daten von Yahoo (Luftkarten) und der US-Behörden (TIGER). Trotzdem erweitern und verbessern lokale Freiwillige die Karten immer weiter. Rohdaten gewinnen die Freiwilligen mit GPS-Geräten, die jede Bewegung aufzeichnet, während die Person mit dem Fahrrad oder dem Auto den Weg, Feldweg, Straße oder Autobahn lang fährt.

Heute bieten Luftkarten von Bing (seit 2010) und US-Erdbeobachtungssatellit Landsat 7  eine weitere Möglichkeit, um die Karten zu verbessern.

Navigationssoftware

Zu der Karte brauchen wir noch ein Navigationssystem. Klassische Computer können in 2026 immer noch nicht effizient die schnellste Route berechnen (Traveling Sales Man Problem), arbeiten wir mit Heurisiken – Annäherungen an eine effiziente schnelle Route. Open Source Routing Machine (OSRM) und Graph Hopper sind zwei Systeme.


Abstrahiete Version der Karte von Strecken in Kilometer
Abstrahiete Version der Karte von Strecken in Kilometer

Warum brauche ich Open Data Navigations-Apps?

  • Privatsphäre: Große Tech-Unternehmen haben bekanntlich nicht die datensparsamsten Apps. Was diese an Information sammeln können, wird gesammelt. Die Geolokation, wo Du Dich befindest gehört zu den privaten Informationen, die Du nur mit wenigen oder keinem teilen möchtest.
  • Schutz der eigenen Person: Hollywood lässt grüßen! Wenn ein (politischer) Feind, Dich eliminieren möchte, wird der Feind es kaum an einem belebten Ort machen. Um jegliche Zeugen und Beweise auszuschließen, wir die Tat abgelegen stattfinden. Deshalb sollte der Standort zum eigenen Schutz nicht immer geteilt sein.
  • Eigentumsschutz: Wohnungseinbrüche finden nicht in der Nacht statt, sondern wenn Du zur Arbeit gehst oder im Urlaub bist. Die Kriminellen fahren mit einem Möbeltransporter eines Möbelhauses vor, grüßen nett die Nachbarn, hebeln die Tür auf und tragen die Wertgegenstände raus.
OpenStreetMap Karten sind detailreich © OpenStreetMap contributor
  • Schutz der Beziehungen: Du kannst Dich „ungewollt“ an ungewünschten Orten aufhalten. Ungewünschte Orte, aus der Sicht der anderen Person mit der noch eine positive Beziehung hast, können unterschiedlich sein: Wenn Du z. B. zum Friseur gehst und Deine Ex zufällig in eine Wohnung oberhalb eingezogen ist, ist die Diskussion vorprogrammiert.
  • Beruf: Wenn Du bei Geheimdiensten oder Behörden arbeitest, hast Du das gleiche Problem. Wenn Dein Auto rund um die Uhr Daten zum Hersteller sendet, kannst Du schnell ins Visier von politische Gruppen landen, obwohl Du nur die Archive entstaubst.
  • Unabhängigkeit von politischen Kartenentscheidungen: Absurditäten, wie Umbenennung von Städten, Flüssen, Meeren oder Bergen, musst Du nicht mehr auf Dich sitzen lassen.

Welche andere Karten gibt es?

Es gibt viele Apps für iOS und Android, die Karten anbieten, aber in Wirklichkeit teilen sich wenige den Markt für das Kartenmaterial auf:

  • Apple Maps: Ursprünglich startete Apple 2012 mit einer Kombination aus zugekauften Daten von TomTom und anderen Drittanbietern wie OpenStreetMap (für bestimmte Regionen). Seit etwa 2018 baut Apple die Karten jedoch massiv um und ersetzt die lizenzierten Daten in immer mehr Ländern durch eigene Vermessungsfahrten und Satellitenbilder von Partnern wie Maxar.
  • Google Maps: In der Anfangszeit (um 2005) kaufte Google Daten von spezialisierten Firmen wie Tele Atlas (heute TomTom) und NAVTEQ (heute Here). Heute nutzt Google eine riesige Menge eigener Quellen: Bilder von Street View Autos, Satellitendaten, Informationen von über 1.000 staatlichen Behörden (z. B. Katasterämter) und die Bewegungsdaten von Millionen Android-Nutzern. OpenStreetMap (OSM): Dies ist die einzige komplett offene Quelle. Die Daten stammen von einer globalen Community aus Freiwilligen, die Straßen vor Ort mit GPS-Geräten erfassen oder Luftbilder händisch abzeichnen. Zudem wurden in der Vergangenheit legale Datensätze von Regierungen (z. B. TIGER-Daten in den USA) integriert.
  • TomTom: Das Fundament von TomTom basiert auf der Übernahme der Firma Tele Atlas im Jahr 2008. Die Daten stammen historisch aus professionellen Vermessungen, offiziellen Regierungsdaten und heute zunehmend aus anonymisierten GPS-Daten ihrer eigenen Navigationsgeräte. Neuerdings kooperiert TomTom auch mit der Overture Maps Foundation, um Open-Source-Daten (wie OSM) zu nutzen.
  • Here: Der Dienst hat seine Wurzeln in der Firma NAVTEQ, die später von Nokia gekauft wurde (ehemals Nokia Maps). Die Basis sind hochpräzise, professionell erfasste Industriedaten für die Automobilnavigation. Heute gehört Here einem Konsortium deutscher Autobauer (Audi, BMW, Mercedes) und nutzt Daten von Fahrzeugsensoren und offiziellen Behörden.

Warum sind fast alle Karten kostenlos?

Die Generation 1990 bis heute haben wahrscheinlich noch keinen Cent für Kartenmaterial ausgegeben. Aber warum?

OpenStreetMap ist der einzige Anbieter, der „kostenfrei“ die Karten zur Verfügung stellt. Bei anderen Anbietern zahlt man mit seinen Daten oder versteckte Gebühren (via Autokauf).

Die Standortdaten können diese Unternehmen verkaufen, um die Reklametafel, an der Du gleich vorbeikommst, mit Deiner Lieblingsschokolade zu bespielen. Alternativ zeigt Dir die Reklametafel auf dem Weg vom Fitnessstudio nach Hause das Menü Deines Lieblingsrestaurants an. Bewegungsdaten können Behörden interessieren, um Blitzer an „Raserstrecken“ aufzustellen, oder Stadtplanner, um Shopping-Center zu planen.

Die verschiedenen Apps aus dem iOS und Android Store nutzen die gleichen Kartenquellen und unterscheiden sich in der Bedienung, Design und Routing-Algorithmus. Einige Apps reichern die Karten mit Zusatzinfos an, die für Radfahrer oder Wanderer interessant sind.

Online oder Offline?

Der Vorteil von Online Karten ist der geringe Speicherplatz und die Flexibilität.

Osmand Karten

Trotzdem solltest Du den Fokus auf lokales / offline Kartenmaterial setzen. Unsere Smartphones bieten genügend Speicherplatz, um ganz Deutschland in 2 bis 5 GB an Daten zu speichern. Wir haben nicht überall in Deutschland guten Handyempfang und Live-Karten sind dann nicht mehr möglich. Kleine Ruckler in der Verbindungen stören dann, wenn es zu komplexen Navigationsabfolgen kommt. Deshalb halte immer die lokale gespeicherte Karte vor.

Welche Apps nutzen?

Same, Same, but Different – alle dieser Apps nutzen die OpenStreetMap. Die Bedienbarkeit und Funktionsumfang unterscheiden sich:

Osmand – Lade Dir die App via F-Droid herunter und nutze den vollen Umfang dieser App. Die Software hat viele Optionen, die für Anfänger ungewohnt sind. Du kannst in der App Bewegungsprofile für verschiedene Fortbewegungsmittel anlegen. Diese App ist kostenlos verfügbar (F-Droid App Store).

Organic Maps – Diese App nutzt auch die OpenStreetMap wie Osmand, setzt aber auf einfacher Bedienung und übersichtliches Design. Der Featureumfang reicht den meisten Nutzern, die schnell von A nach B mit dem Auto kommen wollen. Diese App ist kostenlos verfügbar.

Komoot – Die Freemium App Komoot ist für Outdoor Aktivitäten wie Fahrradfahren oder Wandern ausgelegt. Über die App teilen die Nutzer Routen, die besonders, interessant, abwechslungsreich, angenehmen oder anstrengend sind. Die Grundfunktionen sind kostenlos.

Dieser Beitrag ist zitierfähig. Adaptiere das Beispiel nach dem Harvard Stil: Lippke, Steffen (2026): ‚Programmieren lernen – Tutorial für Einsteiger‘, Security and Coding Explosive Tutorials [online], 01. Januar 2026. Verfügbar unter: https://lippke.li/programmieren-lernen/, ISSN: 3054-3436

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert